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Der Tageskommentar
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Impressum
Hier werden aktuelle Tagesereignisse kommentiert. Ich schreibe spontan und zu allem, zu dem ich meine, einen Kommentar abgeben zu müssen. Ältere Tageskommentare befinden sich im Archiv, das allerdings nur mittels Paßwort zugänglich ist. Auf Bestellung - mit mindestens zwei Wochen Bearbeitungszeit - kann ich Halbjahresbände zum Preis von jeweils 15,- Euro inklusive Versand ausdrucken.
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Schwarzes Brett / Terminankündigungen
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30. Juli 2010 - 1 US-Dollar = 1,494 Deutsche Mark - Gold: 1.743,27 DM - Rohöl: 116,94 DM
Stellen wir uns mal einen Oberbürgermeister vor, wie den von Duisburg. Das ist ein Parteifunktionär, ohne große fachliche Ahnung, der Kinderköpfe streichelt und den Eltern schöne Dinge erzählt. Dem Anspruch nach ist er der Boß in seiner Stadt, in der Realität wird er von der Stadtverwaltung und seiner Partei am Gängelband geführt, er hat zu springen und darf nicht mal fragen, wie oft und wie hoch. Irgendwann meint dann die Partei, daß es schick wäre, eine Veranstaltung durchzuführen, die einer echten Großstadt zu chaotisch und zu müllreich geworden ist, wie die Love-Parade. Und weil der Oberbürgermeister deshalb Oberbürgermeister geworden ist, weil er so gut gehorchen kann, nickt er zustimmend.
Nun würde das alles wunderbar funktionieren, wenn der Veranstalter sich auskennt und zumindest sein Stadtdirektor oder wenigstens der städtische Sicherheitsdezernent auf Zack wären. Statt dessen haben die Herren von der Stadt fähige Vorzimmer, die jeglichen Ärger in Form von Warnungen von Fachleuten wegfiltern, damit sich der Chef nicht ärgern muß. Und der Veranstalter weiß, wie man für hundert Leute Fitneßstudios organisiert, mit Millionenereignissen hat er weniger Erfahrung. Dieses städtische Dreigestirn trifft auf den Veranstalter, der mehr auf Profit als auf Sicherheit aus ist. Dann kommt noch die Polizei dazu. Die einfachen Beamten freuen sich über jeden Samstagsdienst, die Führungsbeamten freuen sich, daß alle Einwendungen ignoriert worden sind. Jeder geht lustlos zu Werke, keiner versucht mehr, etwas zu verbessern.
Eisberg voraus? Aye, aye, Kapitän, dreimal äußerste Kraft auf die Maschinen, damit wir das Ding auch wirklich voll erwischen, ehe es abhaut!
Die kleinen Nachlässigkeiten summieren sich zu einem schweren Unglück, 21 Menschen sterben, 500 sind verletzt. Wer ist schuld? Alle und keiner. Nur, wenn ALLE nachlässig zusammenarbeiten, kracht es, denn menschliche Systeme sind recht widerstandsfähig. Der Eisberg hat die Titanic ein bißchen zu weit aufgeschlitzt, sonst wäre sie nicht gesunken. Da war es auch die Summe aller Fehler, die über 1500 Menschen das Leben kostete.
Jetzt hat Herr Adolf Sauerland Pech, so richtig viel Pech. Er ist der Oberbürgermeister, da zählt nicht, daß er unfähige Mitarbeiter hat, er ist der Chef. Er ist Mitglied der CDU, also jener Partei, die im Land gerade abgewählt worden ist - und somit ein gefundenes Fressen für die neue SPD-Regierung, die ihre Handlungsfähigkeit zu gerne mit einem Erfolg demonstrieren würde. Er ist Mitglied der Partei der Bundeskanzlerin. Diese Partei schlittert gerade von einem Umfragetief zum nächsten, die Kanzlerin hat sich einen Ruf als stinkfaule Aussitzerin erarbeitet. Da hat sie keine Lust, beim Pflichtbesuch auf der Trauerfeier ausbuht und noch weiter beschädigt zu werden. Ja, und deshalb wird Herr Sauerland zurückgetreten, ein Bauernopfer für alle. Dabei hätte er nur noch drei Monate durchhalten müssen, um den Anspruch auf eine lebenslange Pension zu erhalten. Aber der Herr ist Beamter, er darf in seine alte Position zurückkehren. Nur gibt es dort die Pension erst ab 67, statt ab 45, wie für gewesene Oberbürgermeister.
Sehen Sie, so einfach ist das mit Duisburg.

29. Juli 2010 - 1 US-Dollar = 1,507 Deutsche Mark - Gold: 1.752,11 DM - Rohöl: 115,75 DM
Jetzt weiß ich, wer an dem kleinen Zwischenfall in Duisburg schuld ist: Bischof (emeritus) Mixa! Der hatte zwar gar nichts damit zu tun, aber zum einen haben sich Christen als Sündenböcke schon bei Nero bewährt und zum anderen ist er schon zurückgetreten. Da kann er doch in christlicher Nächstenliebe noch die Schuld von Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Stadtdirektor Dr. Peter Greulich und Sicherheits-Dezernent Wolfgang Rabe auf sich nehmen, dann dürfen die alle ihre Dienstwagen behalten und weitere Pensionsansprüche anhäufen. So wäre allen geholfen und die katholische Kirche kann noch eine Wange hinhalten.
Die Union hat es geschafft! Dank der unermüdlichen Arbeitsverweigerung der Bundeskanzlerin ist das Merkelsche Projekt 18 einen guten Schritt vorangekommen. Laut der letzten Forsa-Umfrage sind die Sympathien der Wähler für die Chaos-Union jetzt unter 30 Prozent gefallen. Das ist zwar noch immer ein Punkt vor der SPD, aber falls es jemand schafft, Gabriel einen automatischen Hinterntreter aufzuschnallen, kommt der womöglich in die Gänge und tut einen entscheidenden Schritt nach vorne. Jedenfalls ist das eine sehr gute Ausgangslage für die Landtagswahlen im nächsten Jahr. Wer von der CDU in Treue fest zu Merkel steht, wird zur Belohnung aus dem Amt gekegelt.
Das Politbüro der EUdSSR plant per Ukas die bisherigen Kontonummern und Bankleitzahlen abzuschaffen. An deren Stelle treten die IBAN bzw. SWIF/BIC Nummern, die wir bereits von den internationalen Überweisungen kennen. In früheren Zeiten, vor der Einführung von Computern, wurde alles von Hand gebucht. Damals verglichen die Menschen sogar den Namen des angegebenen Empfängers mit dem tatsächlichen Kontoinhaber. Das war den Computern zu viel Arbeit, deshalb findet das nicht mehr statt. Den Computern ist es auch zuviel Arbeit, die innerdeutschen Kontonummern und Bankleitzahlen für unsere Freunde von den amerikanischen Geheimdiensten auf die internationalen Kontokennzeichnungen zu übertragen. Das Politbüro sorgt eben dafür, daß die Amerigauner auch wirklich jede Überweisung in Europa mitlesen können, ohne die Computer zu überfordern.
Übrigens, die EWG war mal gedacht gewesen, das Leben der Europäer zu erleichtern und Europa den Weg zur Unabhängigkeit von den USA zu ebnen. Ich gehe davon aus, daß jene Leute, die diese EU zu einem Knechtungsinstrument im Dienste der USA entwickelt haben, für ihren Hochverrat gut bezahlt worden sind.
Eine Anmerkung zum Pranger "Regierung der Unfähigen" (Hinweis aus dem Chat):
Wie im Sturm ein steuerloses Schiff,
Preisgegeben einem jeden Riff,
Schwankt herum der
Eintags-Herrscher-Schwarm,
Macht die Bürger ärmer noch als arm.
Aus dem "Lied der Linde"
Schnittpunkt 2012 hat ein Magazin herausgebracht, kostenlos als PDF. Sie finden es hier. Viel Spaß beim Lesen!

28. Juli 2010 - 1 US-Dollar = 1,506 Deutsche Mark - Gold: 1.748,82 DM - Rohöl: 116,53 DM
Jetzt tritt BP-Chef Hayworth doch zurück, zum 1. Oktober. Er kassiert eine Abfindung von 1,2 Millionen Euro (ein Jahresgehalt) und bekommt im Konzern andere Aufgaben, dann kümmert er sich um die Aktivitäten der BP in Sibirien. Vermutlich wird ihm dort das folkloristische Ambiente erspart werden, für das Sibirien so bekannt ist. Ach ja, und das mit den Gewinnen hat sich ebenfalls verändert. Nachdem im Radio noch acht Milliarden Euro Gewinn verkündet wurden, spricht das Fernsehen heute von dreizehn Milliarden Verlust.
In Duisburg wird weiterhin Schwarzer Peter gespielt. Am Ende sind dann alle Demokraten unschuldig und die mittlerweile 20 Toten und 500 Verletzten sind dem allgemeinen Lebensrisiko zum Opfer gefallen. Hannelörchen, die neue Kraft in NRW, kündigte an, solche Veranstaltungen künftig nicht mehr von überforderten Dorfschulzen ausrichten zu lassen, sondern das im Innenministerium anzusiedeln. Eine Umbenennung in Brot-und-Spiele-Ministerium sei aber nicht geplant.
In Berlin hat das Verwaltungsgericht entschieden, daß die Polizei friedliche Demonstrationen nicht mehr filmen darf. Eine Videoüberwachung sei ein Eingriff in die Versammlungsfreiheit, meinten die Richter. Vermutlich erwarten die Volljuristen, daß bei der Anmeldung von Demonstrationen künftig angekreuzt werden soll, ob Gewalt beabsichtigt ist, unter Hinweis auf die Rechtslage, die dann eine Videoüberwachung erlaubt.
Solche Entscheidungen von Bürobeamten passen sehr gut zu einem staatsähnlichen Gebilde, das nicht einmal mit elfjährigen Drogendealern fertig wird. Dabei steht die Lösung an jeder Baustelle: Eltern haften für ihre Kinder. Wenn die Eltern nicht fähig sind, ihre Kinder von kriminellen Handlungen im Gastland abzuhalten, wird die ganze Familie in die Heimat geschickt. Dort haben sie bestimmt die Zeit, sich um ihre Sprößlinge zu kümmern, da der Kulturschock wegfällt.
Pranger 286 erhält die Weihen der Unsterblichkeit: Hoffnungslosigkeit

27. Juli 2010 - 1 US-Dollar = 1,506 Deutsche Mark - Gold: 1.781,18 DM - Rohöl: 118,90 DM
Beginnen wir mit der guten Nachricht: Es wird keine Love-Parade mehr stattfinden. Da mögen Moralwächter von Sodom und Gomorra sprechen, solange sie wollen, sie erreichen gar nichts. Aber kaum erreicht diese Veranstaltungen eine Gefährdungsdimension, ist sie erledigt. Wobei die Gefährdung nicht Menschenleben betrifft, sondern Dienstwagen. Kein Parteifunktionär läßt eine Veranstaltung zu, die seinen Anspruch auf einen Dienstwagen gefährdet. Bisher haben in Duisburg alle Parteifunktionäre, die wegen der Verantwortung in ihrer Dienstposition ein erhebliches Gehalt einstecken, heftig bestritten, auch nur einen Hauch von Verantwortung auf sich geladen zu haben.
Ach so, ja. Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist Mitglied der CDU, also der Partei der faulen Kanzlerin, die sich nach dem Promiauftrieb von Bayreuth endgültig in den Urlaub zurückgezogen hat. Diesen Auftritt bewältigte sie mit merkelhafter Eleganz: Sie trug einen langen, mausgrau schimmernden Faltenrock und ein zu enges Jackett in cremeweiß.
Über den Afghanistan-Krieg gibt es neue Dokumente im Internet. Diese belegen, daß US-Truppen besonders effektiv gegen unbewaffnete Zivilisten vorgehen. In diesen Gefechten erleiden die Amerikaner nur geringe bis gar keine Verluste, während es beim Treffen auf echte Taliban immer dieses frustrierende Gegenfeuer gibt. Ich meine, was ist das für ein Krieg, bei dem der Gegner sich erfrecht zurückzuschießen? Das nimmt einem den ganzen Spaß... Jedenfalls ist der Krieg in Afghanistan verloren, nur ist die Regierung Obama zu schwach, um dies zuzugeben. Die Lage im Irak ist auch nicht viel besser. Da gibt es zwar nur noch ständige Anschläge, dafür ist keinerlei wirkliche Aufbauleistung zu sehen. Das einzige, was aufgebaut wurde, ist etwas, das vermutlich Demokratie genannt wird: Statt eines bösen Diktators, der in sein Land investiert und es aufbaut, herrschen jetzt Parteifunktionäre, deren dringendstes Bedürfnis es ist, sich die eigenen Taschen zu füllen. Da sagt man doch: Vergelt's Gott, Amerika!
BP - wir tanken auch Ihren Golf voll! Tritt jetzt der Chef von denen zurück oder nicht? Angeblich darf er mit 14 Millionen Euro Abfindung in den Ruhestand, einen Nachfolger haben sie ebenfalls schon gefunden, nur gegangen ist er bisher noch nicht. Trotz des Problemchens im Golf von Mexiko hat BP im letzten Quartal acht Milliarden Dollar Gewinn eingefahren. Die Herrschaften haben es vom Behalten, nicht vom Ausgeben. Wäre ein Prozent dieser Gewinne in Sicherheitstechnik investiert gewesen, wir hätten nie etwas von einer Bohrinsel namens "Deepwater Horizon" gehört.
Doch das ist kein Problem, das nur die BP allein betrifft. Auch bei uns stehen inzwischen hinter jedem Ingenieur zwei bis drei Buchhalter, die dafür sorgen, daß aus einer Entwicklung Billigschrott wird. Bei den ICE-Klimaanlagen wurde das kürzlich sichtbar. Hätten Gottlieb Daimler oder Robert Bosch auf ihre Buchhalter gehört, wir würden ihre Namen nicht kennen. Aber immerhin - kurzfristig hätte es den Profit erhöht.

26. Juli 2010
Interessant, wie schnell aus einer Love- eine Death-Parade wird. 19 Tote und 340 zum Teil schwer Verletzte, wurden im Radio genannt. Nun haben solche Unglücke mehr als einen Vater. Ich weigere mich, bei diesen Opferzahlen und der begrenzten Auswirkung von Katastrophe zu sprechen, oder wie der örtliche Oberbürgermeister gar von "Duisburgs dunkelster Stunde". Der zweite Weltkrieg ist zwar schon ein paar Tage her, aber selbst ein demokratisch gewähltes Stadtoberhaupt sollte sich an die vielfachen Bombenangriffe erinnern, gegen die diese Death-Parade nur ein kleines Randereignis gewesen war.
Was haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der Stadtdirektor mit dem treffenden Namen Dr. Peter Greulich und der zuständige Dezernent für Sicherheit und Recht Wolfgang Rabe mit diesem Unglück zu tun? Nachdem die Schwulen-, Lesben-, Krach- und Müllparade aus Berlin verbannt wurde, haben sie in ihrer beschaulichen und deutlich kleineren Stadt dieses Spektakel abhalten wollen. Was kümmern schon Warnungen von Seiten der Feuerwehr, der Polizei und anderer Personen, die sich auskennen, wenn es um das Prestige der Parteifunktionäre geht? Das ist doch der Hauptgrund, WIR in Duisburg und ICH als Oberbürgermeister habe Berlin den Rang abgelaufen...
Damit die angereisten Drogenkonsumenten nicht das Stadtbild trüben und ihren Müll nur am Veranstaltungsort hinterlassen, hat Duisburg eine Art Klein-Guantanamo eingerichtet, alles bestens umzäunt, mit von der Polizei blockierten Notausgängen und nur durch einen dunkeldüsteren Tunnel zu betreten. Ein Tunnel für 1,4 Millionen Besucher, der dann auch noch Gegenverkehr zulassen soll? Das klappt wunderbar, wenn alle Teilnehmer das preußische Exerzierreglement mit der Muttermilch eingesogen haben und erfahrene Feldwebel die Kommandos geben, aber leider nicht bei Leuten, denen Preßlufthammer-Musik die Birne zugedröhnt hat. Wenn dann noch ein paar gelernte Klaustrophobiker im niedrigen Tunnel feststecken, ist die Panik vorprogrammiert.
Was nun aber jedem Organisator einer Dorfkirmes einleuchten würde, hat es leider nicht in die Hirne von Oberbürgermeister, Stadtdirektor und Dezernent geschafft. Wir sind schließlich eine Demokratie, da werden Politiker nicht wegen ihres Könnens in einen Posten gehievt, sondern weil die Partei mit ihnen Wahlen gewinnen will. Das wäre nicht so schlimm, wenn wenigstens dahinter Könner folgen würden, aber wir sind eine Demokratie, da müssen Parteifunktionäre mit Pöstchen abgefunden werden. Bestenfalls die dritte Reihe versteht noch etwas von ihrem Amt, aber deren Bedenken wischen die Vorzeige-Politiker vom Tisch, da wird ignoriert.
Wenden wir uns nun den Opfern zu. Natürlich ist es nicht schön, wenn junge Menschen, die ein wenig Spaß haben wollen, dies mit dem Leben bezahlen müssen. Es ist aber auch nicht schön, wenn Rettungskräfte von zugedröhnten Spaßhabern mit mehr oder weniger gefüllten Dosen und Bierflaschen beworfen werden. Wir reden hier nicht von Kultur, sondern von organisierter Müllverteilung. Wir reden hier nicht über ein Konzert, sondern über eine Straßenorgie. Gemessen an dem Potential, das 1,4 Millionen eingezäunte hyperaktive Menschen entfalten können, dürfen wir froh sein, daß so wenig passiert ist.
Und die Kanzlerin? Die hat schnellste Aufklärung und genaue Untersuchungen gefordert, sie möchte also, daß andere Leute arbeiten und ihr einen schönen Bericht schicken. Noch schöner wären ein paar Namen, welche die politische Verantwortung übernehmen und zurücktreten. Wir sind ja eine Demokratie, unfähige Parteifunktionäre, die von ihrem Posten zurücktreten, fallen weich und erhalten großzügige Pensionen. Und da Merkel mit der Death Parade garantiert nichts zu tun hat, kann sie unbeschwert danach rufen, daß jemand Anderer seinen Dienstwagen hergibt.

25. Juli 2010
Der Wehrbeauftragte Königshaus kritisierte, daß die Bundeswehr im Afghanistan-Krieg unzureichend und fehlerhaft ausgerüstet sei, und daß sie zu wenig Übungs- und Gefechtsmunition besitze. Im Gegensatz dazu ist das Büro des Herrn Verteidigungsministers ganz ausgezeichnet und in jeder Hinsicht komplett ausgerüstet. Auch der Dienstwagen des Herrn Verteidigungsministers ist ganz hervorragend und bietet jedwede wünschenswerte Annehmlichkeit. Es kommt eben darauf an, bei einem begrenzten Budget die richtigen Prioritäten zu setzen.
Als man die Kanzlerin gefragt hat, was sie im Urlaub zu tun gedenke, außer an dem Prominenten-Auftrieb zu den Wagner-Festspielen teilzunehmen, lautete ihre Antwort: Ausschlafen. Richtig, das dürfte so ziemlich die einzige Beschränkung sein, die Merkel ihr Amt auferlegt: Sie muß mit dem Nichtstun früh am Tag anfangen und während ihrer Weltreisen gibt es zwar überall Festbankette, aber auch eine Zeitverschiebung. Insofern ist das ein richtiger Urlaub für sie: mit dem Nichtstun nach eigenem Ermessen anzufangen.
Israel hätte gerne noch ein sechstes Unterseeboot der "Dolphin"-Klasse. Leider ist die Bundesregierung derzeit ein wenig klamm, deshalb kann sie den üblichen Rabatt von 125% nicht gewähren. Dieser setzt sich aus Bau, Umrüstung auf atomare Marschflugkörper, Auslieferung, Wartung und ein paar kleinere Geschenke zusammen. Israel zeigt sich angesichts dieser Haltung irritiert. Zu recht, denn ein Staat, dessen Kanzlerin das Existenzrecht Israels als oberstes Staatsziel ansieht, sollte sich glücklich schätzen, dem waffenstarrenden Judenstaat mit weiteren Tötungsmaschinen künftige Kriege zu erleichtern. Während die BRD nur Nord-, Ost- und Bodensee sichern muß, gehören zu der 5.000-Meilen-Kriegszone Israels das Mittelmeer, der Rote Meer, der Indische Ozean und der Golf von Persien. Dafür sind sechs atomwaffentragende Unterseeboote ohnehin sehr wenig.
Keine Sorge, wenn die Kanzlerin aus dem Urlaub kommt, wird sie sich solidarisch an die Seite Israels stellen und dafür Sorge tragen lassen, daß diese Bestellung zu den üblichen Konditionen vom deutschen Steuerzahler übernommen wird. Dafür sieht Israel großmütig darüber hinweg, daß das "Land der Täter" ein paar Tage Unabhängigkeit geprobt hat.
In meinem lokalen Käseblättchen stand diese Woche zu lesen, daß der "Run aufs Gold" vorbei sei. Die Preise lägen wieder deutlich unter den Höchstwerten. Richtig, man bekommt Gold wieder unter 1.000 Euro! Also ich empfinde das als gute Nachricht, auch wenn ich mir kein Gold leisten kann. Niemand kann Ihnen garantieren, daß die Preise noch lange so niedrig bleiben werden. Sie haben bereits erlebt, wie Gold für 1.100 Euro oder mehr verkauft wurde, Sie haben Silber über 20 Euro gesehen. Wann wollen Sie in Gold und Silber einsteigen? Wenn Israels Luftwaffe in den Iran donnert? Wenn sich herausstellt, daß der großartige Streßtest der Banken eine Milchmädchenrechnung von überbezahlten Experten war? Genießen Sie diesen Sonntag, und nehmen Sie sich ein halbes Stündchen Zeit, über Ihre finanzielle Zukunft nachzudenken.

24. Juli 2010 - 1 US-Dollar = 1,523 Deutsche Mark - Gold: 1.809,25 DM - Rohöl: 119,70 DM
91 europäische Banken wurden einem "Streßtest" unterzogen. Von den 14 deutschen Teilnehmern haben alle bis auf eine bestanden. Durchgefallen ist jene Bank, in der ein Bernhard Knobloch als Aufsichtsrat fungiert und in der bereits 100 Milliarden Staatsbürgschaften und -garantien versenkt wurden. Folglich wird alles gut, der ifo-Geschäftsklimaindex geht steil nach oben und die Fernsehfachleute fabulieren munter von DAX auf 7000, auf 8000, auf neuem Rekordwert.
Verwechseln Sie bitte einen "Streßtest" nicht mit einem Belastungs-EKG. Bei dem EKG werden Sie wirklich belastet, auf dem Fahrrad-Ergometer. Bei dem "Streßtest" wird nur gerechnet. Die Banken geben Zahlen an, die in dieses Rechenmodell einfließen, und dann werden die "Streßfaktoren" auf diese Zahlen losgelassen. Die Ergebnisse sind natürlich unbedingt verläßlich und so genau, wie eine Wetterprognose für den Mai nächsten Jahres.
Damit kommen wir zu den kleinen und ganz bestimmt verzeihlichen Schwächen dieser Rechenmodelle: Die darin eingegebenen Daten sind jene Daten, die diese Banken selbst angeben oder die öffentlich bekannt sind. Wie korrekt diese Daten sind, ist ungewiß, da die Banken sich mit ihren Schwierigkeiten tunlichst bedeckt halten. Die Tests wurden zudem eindimensional gerechnet, das ist ungefähr so, als würde man bei einer Familie, welche die Leasingraten für ihren Maybach nicht mehr bezahlen kann, davon ausgehen, daß sie sich die Mitgliedschaft im Golfclub und die Gebühren für die Elite-Internate ihrer Kinder weiterhin leisten können. Wir leben jedoch in einer vernetzten Welt. Wenn die Staatsanleihen kriseln, führt das gleichzeitig zu Währungsproblemen und zur Rezession. Wir haben es im Fall Griechenland gesehen: Deren Probleme bei den Staatsanleihen haben sich sofort auf den Euro ausgewirkt.
Der ifo-Geschäftsklimaindex ist auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung gestiegen. Dieser Wert sagt nichts über den Ist-Zustand aus, sondern nur über die Erwartungen bzw. über die Hoffnungen von befragten Unternehmen. Da fließt schon mal die Erleichterung darüber ein, daß es nicht so schlecht gekommen ist, wie man noch vor einigen Monaten befürchtet hatte. Das ist ein Pfeifen im Walde, mehr nicht.
Eine gute Nachricht für Hartz-IV-Empfänger: Wer sich dank der Abwrackprämie ein neues Auto zugelegt hat, bekommt die 2.500 Euro nicht auf seine Bezüge angerechnet. Ein Sozialgericht hat entschieden, daß dieses Geld eine politisch gewollte Sonderleistung ist und nichts mit dem Lebensunterhalt zu tun hat, folglich nicht auf diesen angerechnet werden darf.
Abschließend noch ein paar Beobachtungen aus der Region: Der Stadtrat-Karl-Adam-Gedächtnis-Kreisel ist nach nur neun Monaten Bauzeit in Betrieb. Im Gegensatz zu den Kreiseln in Frankreich befindet sich in der Mitte eine Gestrüpp-Insel, für Schönheit war kein Geld mehr übrig. Abgeschlossen sind auch die Bauarbeiten am Berliner Ring in Würzburg. Der Verkehr wird jetzt durch eine ganz neue Ampelanlage entscheidend behindert. Der Benzinpreis in Würzburg ist im Vergleich zum Mittwoch um acht Cent gestiegen. Ein Zusammenhang mit dem Ferienbeginn in Bayern ist wie bei jedem Ferienbeginn rein zufällig. Und ja, die Schönwetter-Periode ist zu Ende. Es regnet, ist kühl - mit einem Wort: Merkelwetter.

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